Wenn beim Arbeiten der Sinn abhandenkommt

 

Nach Burn-out und Bore-out kommt nun das Brown-out: Leistungsträger verlieren das Interesse am Job, weil die Firma sie zunehmend einengt.

 

Was ist was?

Das Burn-out entsteht durch chronischen Stress. Es beschreibt die totale körperliche und psychische Erschöpfung und führt in der Regel zur Arbeitsunfähigkeit.

 

Ein Bore-out entsteht, wenn der Angestellte dauerhaft unterfordert wird. Das schlägt ihm aufs Gemüt, auch das Selbstvertrauen leidet. Betroffene können jedoch weiterarbeiten.

 

Vom Brown-out Betroffene erleben ihren Arbeitsalltag als sinnlos. Sie sind desillusioniert und ziehen sich zurück. Oft handelt es sich um gutverdienende Kadermitarbeiter. Bei einer Neuorientierung wenden sie sich häufig handwerklichen oder sozialen Tätigkeiten zu- sie versprechen sich davon eine sinnstiftende Arbeit.

 

Die Kreativität wird durch Bürokratie erstickt

 

David Graeber beschreibt 2013 in einem Beitrag mit dem Titel "Über das Phänomen der Schwachsinns-Jobs". Seine Kernaussage ist: Die Einführung neuer Technologien in der Arbeitswelt hat zur Entstehung einer ganzen Flut neuer, sinnloser Berufe und Tätigkeiten geführt.

Es sind der Nutzen und der Sinn, die den Brown-out Betroffenen bei der Arbeit abhandengekommen sind. Es scheint, als ob die betroffenen Arbeitnehmer die Maslowsche Bedürfnispyramide umdrehen. In dieser stellen Grundbedürfnisse wie Nahrung und Schlaf die Basis dar; an der Spitze steht die Selbstverwirklichung. Doch bei den Brown-out Opfern wird es zum Grundbedürfnis, einen Sinn in der Arbeit zu sehen. Oft wird er gar höher gewichtet als der Lohn.


Die Psychologen beobachten schon seit Jahren eine Zunahme der arbeitsbedingten Leiden.

Die Erklärung dafür ist: Die Arbeitnehmer sind grösserem Druck ausgesetzt, haben weniger Zeit und müssen ständig ihre Effizienz beweisen. Darunter leidet der menschliche Kontakt, welcher aber durch Mails und Dokumente ersetzt wird. Die Kreativität wird durch bürokratische Vorgaben erstickt. Dabei bräuchten gerade di guten Mitarbeiter ein hohes Mass an Freiraum und dürfen nicht durch sinnlose Regeln behindert werden.

Auch wenn das Burn-out an der Spitze steht, ist das Brown-out auf dem Vormarsch und beschäftigt immer mehr die Fachleute.

Wir leben in einer Welt, in welcher der Sinn über allem steht. Das erklärt sich anhand einem Beispiel.“ Früher kaufte man einfach Reis: Heute achtet man darauf, wo er herkommt, unter welchen Bedingungen und von wem er produziert wurde. Das Bewusstsein für Weltweite zusammenhänge wird grösser“. Das Interesse für die persönliche Weiterentwicklung ist in unserer Gesellschaft immer ausgeprägter.

Ist das  Brown-out  ein Problem der Gutverdiener? „Tatsächlich betrifft es vor allem gutausgebildete Arbeitskräfte um die vierzig“.  Brown-out  Kranke geben sich Utopien hin, ohne dass sie sich dieser Schwierigkeit bewusst sind. Am Ende geht es ja doch darum, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Die Neuorientierung muss einer Logik folgen. Das heisst, die Betroffenen müssen eine Balance zwischen Ihren Wünschen und den Erfolgschancen in einer neuen Tätigkeit finden. Dabei spielt auch der bisherige berufliche Hintergrund eine Rolle.

Angesichts der zunehmenden  Brown-out  Fälle suchen doch schon einige Arbeitgeber nach Lösungen. Sie denken über andere Motivationsspritzen nach als Boni oder Fitness Abos. Der gute Arbeitgeber ermöglicht seinen Angestellten ihre Wünsche diesbezüglich zu äussern. Das schafft eine enge Verbindung zwischen den Mitarbeitern und dem Unternehmen.

Einen Sinn lasse sich auch ausserhalb der Arbeit finden, etwa bei einer ehrenamtlichen Tätigkeit. „Die Menschen brauchen eine Möglichkeit, persönlich zu wachsen, und das Unternehmen muss oder soll sie dabei unterstützen.

 

 

Recherchiert von Lucien Christen